Praktikumsbericht – CHAWALI Lindi,Juli/August 2013


Katrin Schoder,

Studentin der Sozialen Arbeit an der FH St. Pölten

Im Rahmen meines Studiums „Soziale Arbeit“ machte ich ein Langzeitpraktikum in Tansania. Über die Fachhochschule Kärnten bekam ich Kontakt zu der Organisation CHAWALI, die sich in Lindi mit der alltäglichen Lebenssituation alter Menschen in ländlichen Regionen beschäftigt. Dabei kümmern sich die Mitarbeiter auch um eine nachhaltige, finanzielle Sicherung, da viele über 60-Jährige keine staatlichen Pensionen erhalten. In den meisten Fällen sind die Menschen von den Erträgen ihrer eigenen Landwirtschaft abhängig.

Das Ziegenkreditprojekt, welches vom Kärntner entwicklungspolitischen Verein „Africarinthia“ gefördert wurde, soll eine langfristige Verbesserung bewirken. Es werden zwei weibliche Jungtiere an alte Menschen vergeben, diese haben die Aufgabe, sie so zu verpflegen, dass Nachwuchs kommt. Bei der medizinischen Versorgung sowie beim Stallbau werden die Begünstigten unterstützt. Die ersten weiblichen Neugeborenen werden als „Kreditrückzahlung“ an die Organisation zurückgegeben und direkt an Nächste weitergegeben. Ziel dabei ist es, möglichst viele alte Menschen mit Ziegen zu versorgen und ihnen dadurch eine finanzielle Ressource zu geben. Wenn sie den Vertrag erfüllt haben und zwei Ziegen wieder zurück gegeben haben, können sie mit allen weiteren Nachkommen eigenverantwortlich handeln.

Obwohl ich vor meinem Aufenthalt in Tansania dieses Projekt im Internet recherchiert habe, konnte ich mir nicht ganz vorstellen, wie eine solche Übergabe aussieht. Ich hatte das Glück zweimal an einer Weitergabe von Ziegen teilzunehmen und den genauen Ablauf mit verfolgen zu können. Bei den Treffen in dem Dorf wurden zuerst alle organisatorischen Dinge erledigt: Wer war anwesend, wer konnte bereits Ziegen zurückgeben, wer waren die nächsten Begünstigten? Danach gingen jene alten Menschen wieder zu ihrem Haus und holten die Jungtiere. Feierlich wurden sie dem Nächsten weitergegeben, dieser bekam dann noch wichtige Hinweise und Informationen über die Versorgung der Ziegen und auch über die Vertragsbedingungen.

Die Praxis zeigt, dass dieses System funktioniert. Die Bereitschaft aktiv mitzuarbeiten und das langfristige Denken der alten Menschen sind dabei unverzichtbar. Ein Grund für dieses nachhaltige Bewusstsein und Handeln liegt meiner Meinung nach in der Aufklärung, Information und Unterstützung durch die Organisation CHAWALI. In Nambawala, einem Dorf in der Region Lindi, wurde 2012 diese Form von Unterstützung gestartet und bisher konnte schon vielen Familien geholfen werden. Ich bewundere die Barriere-freie Kommunikation zwischen Begünstigten und Organisation, den Zusammenhalt innerhalb des Dorfes und die unendliche Freude bei der Übergabe. Die Motivation der alten Menschen und ihre Aktivität bei Diskussionen werden mir lange in Erinnerung bleiben. Entwicklungszusammenarbeit in dieser individuellen Form der Unterstützung finde ich kreativ und spannend. In meinem Praktikum habe ich es als sehr sinnvoll erlebt und bin beeindruckt von der wirksamen Umsetzung.

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